Angled DESSLoc® — Implantatdivergenz und die prothetische Herausforderung bei Deckprothesen

Implantatgetragene Deckprothese und ihre Retentionselemente

Implantatgetragene Deckprothesen sind eine bewährte Behandlungsoption, um den Halt und die Stabilität herausnehmbarer Versorgungen bei zahnlosen Patienten zu verbessern. Ein vorhersagbares Ergebnis hängt jedoch nicht allein von der Anzahl der gesetzten Implantate oder dem gewählten Retentionssystem ab.

Auch die Position und Angulation der Implantate beeinflussen die Funktion des Retentionssystems und bestimmen die prothetische Einschubrichtung.

In der klinischen Praxis lassen sich Implantate jedoch nicht immer exakt parallel setzen.

Das Knochenangebot, die Patientenanatomie und die Nähe zu anatomischen Strukturen können die Implantatposition vorgeben und zu unterschiedlich ausgeprägten Divergenzen führen. Eine zunächst chirurgische Einschränkung wird damit auch zur prothetischen Herausforderung.

Was geschieht also, wenn die Implantate keine günstige gemeinsame prothetische Achse aufweisen?

Warum ist die Implantatdivergenz relevant?

Bei einer Deckprothese werden die Retentionselemente bei jedem Einsetzen und Herausnehmen der Prothese erneut ineinandergefügt und voneinander gelöst.

Bei unterschiedlich angulierten Implantaten arbeiten diese Komponenten nicht mehr entlang einer gemeinsamen Einschubrichtung. Dadurch können sich die zum Einsetzen und Herausnehmen erforderlichen Kräfte verändern. Auch das langfristige Verhalten der Retentionselemente kann beeinflusst werden.

Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass die Implantatangulation die Retention von Verankerungssystemen für Deckprothesen beeinflussen kann, insbesondere bei wiederholten Einsetz- und Entnahmezyklen. [1]

Eine 2025 im Journal of Prosthetic Dentistry veröffentlichte Studie untersuchte verschiedene Retentionssysteme bei unterschiedlichen Implantatangulationen und wiederholten Nutzungszyklen. Die Ergebnisse bestätigten, dass sowohl die Gestaltung des Verankerungssystems als auch die Implantatangulation das Retentionsverhalten beeinflussen. [1]

Die Parallelität der Implantate ist somit mehr als eine rein geometrische Frage.

Die Angulation kann die Funktion des Retentionssystems unmittelbar beeinflussen.

Darstellung einer Divergenz von 76° zwischen zwei Implantaten mit Angled DESSLoc®

Retention: Mehr ist nicht immer besser

Bei Deckprothesen liegt die Annahme nahe, dass eine höhere Retention automatisch zu einem besseren klinischen Ergebnis führt.

Eine maximale Retention sollte jedoch nicht das Ziel sein.

Die Prothese muss während der Funktion ausreichend Halt bieten und sich zugleich vom Patienten kontrolliert und ohne übermäßige Schwierigkeiten einsetzen und herausnehmen lassen. Darüber hinaus unterliegen die Retentionselemente einem Verschleiß und müssen über die gesamte Nutzungsdauer der Versorgung gewartet werden.

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zeigte, dass die Wahl des Retentionssystems unter anderem den prothetischen Wartungsbedarf, die Gewebereaktion und die Patientenzufriedenheit beeinflussen kann. Kein System erwies sich jedoch bei sämtlichen klinischen Parametern als überlegen. [2]

Dies unterstreicht einen wichtigen Grundsatz:

Ziel ist nicht allein der Halt der Prothese, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Retention, Funktion, Einschubrichtung und langfristigem Wartungsbedarf.

Implantatdivergenzen prothetisch ausgleichen

Die chirurgische Planung sollte stets Implantatpositionen anstreben, die die geplante prothetische Versorgung unterstützen. Die anatomischen Gegebenheiten erlauben jedoch nicht immer eine ideale Parallelität.

Bei divergierenden Implantaten besteht eine Möglichkeit darin, die Winkeldifferenz auf prothetischer Ebene auszugleichen, um eine günstigere Einschubrichtung zu schaffen.

Die Korrektur der prothetischen Achse verändert das Verhältnis zwischen den Retentionselementen und der Richtung, in der die Deckprothese eingesetzt und herausgenommen wird. Dies kann ihr Verhalten bei wiederholten Einsetz- und Entnahmezyklen verbessern.

Eine experimentelle Studie mit unterschiedlich stark divergierenden Implantaten zeigte, dass angulierte Abutments zum Ausgleich der Implantatangulation nach wiederholten Einsetz- und Entnahmezyklen zu einem stabileren Retentionsverhalten beitrugen. [4]

An dieser Stelle verändert sich die Fragestellung.

Die Frage lautet nicht mehr:

„Wie lassen sich alle Implantate exakt parallel ausrichten?“

Sondern:

„Wie schaffen wir eine günstige prothetische Einschubrichtung, wenn die Implantate nicht parallel stehen?“

Angled DESSLoc® Abutments in unterschiedlichen Gingivahöhen

Angled DESSLoc®: eine günstigere prothetische Achse schaffen

Angled DESSLoc® wurde genau für solche klinischen Situationen entwickelt.

Angled DESSLoc® verfügt über eine Angulation von 18°. In Kombination mit den DESSLoc® Retentionseinsätzen mit erweitertem Divergenzbereich von 40° lassen sich Divergenzen von bis zu 76° zwischen Implantaten ausgleichen.

Ziel ist eine günstigere Einschubrichtung, wenn die Implantatposition den Einsatz eines geraden Abutments für Deckprothesen einschränkt.

Damit können sich die prothetischen Versorgungsmöglichkeiten erweitern, wenn das Knochenangebot oder die Nähe zu anatomischen Strukturen die Implantatposition vorgegeben hat.

Angled DESSLoc® wird mit einer Schraube mit 1,25-mm-Innensechskant am Implantat befestigt. Die Schraube ist immer im Blister enthalten.

Der Winkelausgleich hängt jedoch nicht allein vom Abutment ab.

Angled DESSLoc® und die Befestigungsschraube mit 1,25-mm-Innensechskant

Auch der Retentionseinsatz trägt zum Winkelausgleich bei

Mit zunehmender Implantatdivergenz verändern sich auch die Anforderungen an das Retentionselement.

Deshalb muss Angled DESSLoc® mit den DESSLoc® Retentionseinsätzen für den erweiterten Divergenzbereich von 40° kombiniert werden. Diese sind in Rot, Orange und Grün mit unterschiedlichen Retentionsstärken erhältlich. DESSLoc® Retentionseinsätze für 20° sind nicht für die Verwendung mit Angled DESSLoc® Abutments vorgesehen.

So kann der Behandler die Retentionsstärke entsprechend den prothetischen Anforderungen des Falls auswählen und gleichzeitig die Winkeldifferenz zwischen den Implantaten ausgleichen.

Angled DESSLoc® ist außerdem in Gingivahöhen von 1 bis 5 mm erhältlich. Die transmukosale Höhe lässt sich damit an die periimplantären Weichgewebeverhältnisse anpassen.

DESSLoc® Retentionseinsätze und zugehörige Komponenten

Über die anfängliche Retention hinausdenken

Bei der Versorgung mit einer Deckprothese ist die Implantatdivergenz nicht der einzige zu berücksichtigende Faktor.

Die Retentionselemente sind täglich funktionellen Belastungen sowie wiederholten Einsetz- und Entnahmezyklen ausgesetzt. Das Verhalten der Werkstoffe und Oberflächen gewinnt deshalb im Laufe der Zeit an Bedeutung.

DESSLoc® und Angled DESSLoc® verfügen über Periocoat®, eine Zirkoniumnitridbeschichtung (ZrN) des Abutments. Laut den technischen Unterlagen von DESS® erhöht die Beschichtung die Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit und trägt dazu bei, die Anlagerung von Biofilm und bakterieller Plaque zu reduzieren.

Auch bei Oberflächen, die auf eine höhere Verschleißbeständigkeit und eine erleichterte Pflege ausgelegt sind, bleiben regelmäßige klinische Kontrollen und der bedarfsgerechte Austausch der Retentionseinsätze unerlässlich, um die Funktion der Deckprothese langfristig zu erhalten.

Periocoat® Beschichtung auf einem Angled DESSLoc® Abutment

Von der Implantatposition zum prothetischen Arbeitsablauf

Die Versorgung divergierender Implantate mit einer Deckprothese hängt nicht allein von der Wahl des geeigneten Retentionssystems ab.

Auch die dreidimensionale Implantatposition und die geplante prothetische Achse müssen im gesamten Herstellungsprozess präzise übertragen werden, sowohl im konventionellen als auch im digitalen Workflow.

Für Angled DESSLoc® stehen ein Scanbody und CAD-Bibliotheken für Exocad® und 3Shape® zur Verfügung. Damit lässt sich die Lösung in etablierte digitale Arbeitsabläufe integrieren und die Kommunikation zwischen Praxis und Dentallabor erleichtern.

Dies ist bei ausgeprägten Implantatdivergenzen besonders relevant, da die präzise Erfassung der Implantatposition ein wesentlicher Bestandteil der prothetischen Planung ist.

Scankomponenten für den digitalen Angled DESSLoc® Workflow

Von der Divergenz zur prothetischen Kontrolle

Die Behandlungsplanung sollte stets Implantatpositionen anstreben, die für die geplante prothetische Versorgung günstig sind. Die anatomischen Gegebenheiten erlauben jedoch nicht immer eine ideale Parallelität.

In solchen Situationen muss die Implantatdivergenz nicht zwangsläufig zur Einschränkung der prothetischen Versorgung werden.

Prothetische Komponenten, die eine ungünstige Implantatachse ausgleichen können, erweitern die Behandlungsmöglichkeiten und können zu einer günstigeren Einschubrichtung der Deckprothese beitragen.

Angled DESSLoc® wurde gezielt für diese Situationen entwickelt und bietet eine Alternative, wenn die Implantatposition den Einsatz einer geraden Lösung einschränkt.

Implantatdivergenzen prothetisch auszugleichen bedeutet nicht nur, sich an die Ausgangssituation anzupassen. Es bedeutet, die Kontrolle über die Versorgung zurückzugewinnen.

Übersicht der Implantatverbindungen für Angled DESSLoc®

Literatur

1. Effect of different implant angulations and insertion-removal cycles on the retentive force of zirconia and coated titanium denture attachments: An in vitro study. J Prosthet Dent. 2025;134(6):2426.e1-2426.e8. doi:10.1016/j.prosdent.2025.08.010.

2. Patel S, Vaishnav K. Comparative Evaluation of Various Implant Overdenture Attachment Systems in Terms of Survival Rate, Tissue Response, and Patient Satisfaction: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cureus. 2025;17(5). doi:10.7759/cureus.83838.

3. Retention of telescopic versus LOCATOR attachments and marginal bone loss surrounding implant-retained maxillary overdentures: A 2-year randomized clinical trial. J Prosthet Dent. 2026;135(4):778-786. doi:10.1016/j.prosdent.2025.05.036.

4. Effect of implant angulation and patrice on the retention of overdenture attachment systems: An in vitro study. J Prosthodont. 2023. Die Studie verglich Implantate mit Divergenzen von 0°, 15° und 30° und untersuchte zudem angulierte Abutments zum Ausgleich der Winkeldifferenz.