Scanbody: Fehler, die die Präzision implantatgetragener Versorgungen beeinträchtigen

In digitalen implantologischen Workflows bildet der Scanbody die Schnittstelle zwischen der Implantatposition im Mund und der im CAD-System konstruierten Versorgung. Wird ein Scanbody falsch ausgewählt, nicht vollständig eingesetzt oder fehlerhaft gescannt, wird dieser Fehler unbemerkt durch den gesamten Workflow weitergegeben und zeigt sich häufig erst, wenn die fertige Versorgung nicht korrekt passt. Für Dentallabore bedeutet das Neuanfertigungen, Verzögerungen und vermeidbare Kosten.
Dieser Beitrag zeigt die häufigsten Scanbody-Fehler, die die Präzision einer Implantatversorgung beeinträchtigen können, an welcher Stelle des Workflows sie entstehen und welche Prüfschritte Laborteams integrieren können, um Passungsfehler und Neuanfertigungen zu reduzieren.
Was ist ein Scanbody in der Implantologie?
Ein dentaler Scanbody, häufig auch als Scankörper bezeichnet, ist eine Komponente, die mit dem Implantat oder Abutment verbunden wird und eine definierte, maschinenlesbare Geometrie aufweist, die von einem Intraoral- oder Laborscanner erfasst werden kann. Der Scanner erfasst die Implantatverbindung nicht direkt. Stattdessen wird der Scanbody digitalisiert, und die CAD-Software nutzt den passenden Bibliotheksdatensatz, um Position, Tiefe und Rotation des Implantats exakt zu bestimmen.
Die Genauigkeit eines Scanbodys hängt daher im Wesentlichen von drei Faktoren ab: der korrekten Auswahl der Komponente für das jeweilige Implantatsystem, einem vollständigen und stabilen Sitz zum Zeitpunkt des Scans sowie einer CAD-Bibliothek, die exakt zum verwendeten physischen Scanbody passt.
Warum die Genauigkeit des Scanbodys bei Implantatversorgungen entscheidend ist
Die Bedeutung der Scanbody-Genauigkeit wird leicht unterschätzt, weil sich ein Fehler am Scanbody nur selten unmittelbar bemerkbar macht. Eine Versorgung, die auf einer ungenau erfassten Implantatposition konstruiert wurde, kann am Bildschirm perfekt aussehen und problemlos gefräst werden, sich intraoral aber dennoch nicht passiv einsetzen lassen. Bei Multi-Unit- und Full-Arch-Versorgungen kann sich bereits eine geringe Positionsabweichung an einem Implantat über die gesamte Spannweite auswirken und sowohl die passive Passung als auch die langfristige mechanische Stabilität beeinträchtigen.
Da die Scanbody-Genauigkeit die gesamte digitale Prozesskette beeinflusst, ist es deutlich effizienter, Fehler bereits beim Scannen zu vermeiden, als sie erst nach der Fertigung zu erkennen.
Häufige Scanbody-Fehler, die die endgültige Passung beeinträchtigen
Die meisten Scanbody-Fehler lassen sich auf einige wiederkehrende Ursachen zurückführen: die Auswahl eines nicht passenden Scanbodys für Implantatsystem oder Plattform, ein unvollständiger oder instabiler Sitz, eine ungeeignete Scanstrategie mit zu wenig Referenzgeometrie für die Software, eine fehlerhafte Zuordnung zur CAD-Bibliothek und - besonders kritisch - fehlende Prüfschritte vor Konstruktion oder Fräsen.
Jeder dieser Fehler kann für sich bereits zu einem Passungsfehler der Implantatversorgung führen. Treten mehrere gleichzeitig auf, lässt sich die Ursache im weiteren Verlauf des Workflows oft nur noch schwer eindeutig zurückverfolgen.
Sitz, Positionierung und Plattformwahl: Wo Fehler entstehen
Ein unvollständiger Sitz des Scanbodys gehört zu den häufigsten und zugleich unterschätzten Fehlerquellen. Ist der Scanbody nicht vollständig eingesetzt - etwa durch Weichgewebe, einen Blut- oder Speichelfilm oder Verunreinigungen an der Verbindung -, wird die Implantatposition zu flach oder geneigt erfasst. Diese fehlerhafte Scanbody-Position wird anschließend direkt in die Konstruktion übernommen.
Ebenso wichtig ist die korrekte Auswahl der Implantatplattform. Ein Scanbody, der zwar ähnliche Abmessungen aufweist, aber nicht exakt zur Plattform und Verbindung des Implantats passt, kann unvollständig sitzen oder mit der falschen Bibliothek verknüpft werden. Der Scanbody muss daher immer zur konkreten Implantatplattform und -verbindung passen und nicht nur zur jeweiligen Markenfamilie. Eine visuelle und, sofern indiziert, röntgenologische Kontrolle des vollständigen Sitzes vor dem Scannen kann einen großen Teil dieser Fehler vermeiden.
Fehler bei der Zuordnung zur CAD-Bibliothek und Probleme im digitalen Workflow
Auch bei korrekt sitzendem Scanbody kann der Workflow in der Konstruktionsphase fehlschlagen, wenn der in der CAD-Bibliothek hinterlegte Scanbody nicht mit der physischen Komponente übereinstimmt. Eine veraltete Bibliothek, die falsche Auswahl der Plattform in der Software oder abweichende Offset-Werte führen zu einer Konstruktion auf Basis einer falschen Referenzgeometrie - unabhängig davon, wie präzise der Scan selbst durchgeführt wurde.
Aktuelle, korrekt installierte Bibliotheken, die eindeutig dem tatsächlich verwendeten Scanbody zugeordnet sind, sind daher keine Formalität, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätskontrolle in jedem digitalen Implantat-Workflow.

So können Labore den Scanbody-Workflow vor Konstruktion oder Fräsen überprüfen
Die wirksamste Möglichkeit, Scanbody-bedingte Neuanfertigungen zu reduzieren, besteht darin, Prüfschritte direkt in den Workflow zu integrieren, statt erst die fertige Versorgung als Fehlerindikator zu nutzen. Sinnvolle Kontrollpunkte sind die Überprüfung von Komponente und Plattform anhand des Implantatsystems vor dem Scannen, die Kontrolle des vollständigen Sitzes, eine Scanstrategie mit ausreichender Referenzgeometrie sowie die Bestätigung, dass die CAD-Bibliothek zum physischen Scanbody passt, bevor die Konstruktion beginnt. Bei komplexen Fällen bietet ein zusätzlicher Abgleich des digitalen Modells mit den bekannten Implantatpositionen weitere Sicherheit.
Wie DESS® Scan-Abutments und CAD/CAM-Bibliotheken präzise Workflows unterstützen
Die Übereinstimmung zwischen physischer Komponente und digitaler Bibliothek ist entscheidend für einen präzisen digitalen Workflow. DESS® Scan-Abutments sind für einen vollständigen und stabilen Sitz an der Implantatverbindung ausgelegt und für die Verwendung mit den entsprechenden DESS® CAD/CAM-Bibliotheken validiert. Dadurch bleiben die physische und die digitale Seite des Workflows zuverlässig aufeinander abgestimmt.
Die korrekte Einrichtung ist ebenso wichtig wie die Auswahl der Komponente. Die Installationsanleitungen für die CAD/CAM-Bibliotheken unterstützen eine sachgerechte Installation und Aktualisierung, während die DESS® Ressourcen zur Kompatibilität mit Implantatmarken Laboren, die mit mehreren Systemen arbeiten, helfen, Plattform und Verbindung vor dem Scannen zu überprüfen. Bei wiederkehrenden Problemen bieten die technische Dokumentation und der DESS® Support eine praktische nächste Anlaufstelle. Wie bei allen Systemen sollten Labore die offiziellen Gebrauchsanweisungen und die jeweilige Bibliotheksdokumentation beachten.

Häufig gestellte Fragen
Wofür werden Scanbodys bei Zahnimplantaten eingesetzt?
Scanbodys stellen eine definierte, scanbare Geometrie bereit, über die ein Intraoral- oder Laborscanner die exakte Position, Tiefe und Rotation eines Implantats erfassen kann. Die CAD-Software nutzt anschließend die passende Bibliothek, um diese Geometrie in eine präzise Implantatposition für die Konstruktion der Versorgung zu übertragen.
Wie beeinflusst der Sitz des Scanbodys die Passung der Versorgung?
Ist der Scanbody zum Zeitpunkt des Scans nicht vollständig eingesetzt, wird die Implantatposition ungenau erfasst. Dieser Fehler setzt sich in Konstruktion und Fertigung fort und kann dazu führen, dass sich die Versorgung nicht passiv einsetzen lässt, obwohl sie am Bildschirm korrekt erschien.
Was passiert, wenn der falsche Scanbody oder eine falsche CAD-Bibliothek verwendet wird?
Wird ein Scanbody verwendet, der nicht zur Implantatplattform passt, oder eine CAD-Bibliothek, die nicht mit der physischen Komponente übereinstimmt, basiert die Konstruktion auf einer falschen Referenzgeometrie. Die Versorgung kann technisch sauber gefertigt sein und trotzdem nicht passen, sodass häufig eine Neuanfertigung erforderlich wird.

Muss der Scanbody zur Implantatplattform passen?
Ja. Der Scanbody muss zur spezifischen Plattform und Verbindung des Implantats passen, nicht lediglich zur Markenfamilie. Eine Komponente mit ähnlichen Abmessungen, die jedoch nicht exakt kompatibel ist, kann unvollständig sitzen oder mit der falschen Bibliothek verknüpft werden und dadurch die Präzision der Implantatversorgung beeinträchtigen.
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